Projektbeschreibung Hochwasserschutz Stadt Miltenberg am Main -
Planungsabschnitt 1, Schwimmbad bis Pfarrkirche

Das Schutzsystem

Aufgrund des einmaligen historischen Stadtbildes galt es das Hochwasserschutzsystem in das städtebaulich sensible Umfeld behutsam zu integrieren. Die öffentlichen Flächen sollten so gestaltet werden, dass sich ein langfristig angelegtes, städtebauliches Entwicklungspotenzial für vielfältige Nutzungen ergibt, bei dem der Hochwasserschutz nicht stört.
Der ca. 1.100 Meter lange Abschnitt zwischen Schwimmbad und Pfarrkirche, in dem auch die Brückenauffahrt nach Miltenberg - Nord liegt, ist bei einem hundertjährlichen Hochwasser immerhin noch bis zu 2,5 Metern überflutet. Die besondere Schwierigkeit liegt hier auch in der Verkehrsführung, der Berücksichtigung des breiten Mainvorlandes und den Nutzungen der mainnahen Flächen.

Foto des 1:1-Modells Bild vergrössern Modell des "Kombinierten Schutzsystemes"

Nach intensiven Vorüberlegungen hat man sich letztlich für ein sogenanntes Kombiniertes Schutzsystem entschieden.
Eine mit Sandstein verkleidete Stahlbetonmauer bildet den festen Grundschutz bis etwa zu einem 25- jährlichen Hochwasser (in etwa dem Hochwasser von 1970 vergleichbar). Durchgänge werden bei anlaufender Hochwasserwelle mit sog. Dammbalken verschlossen. Damit sind die häufigen Hochwässer leicht und schnell zu beherrschen.
Ein mobiles Dammbalkensystem aus Stahl und Aluminium als Aufsatz auf das feste Grundsystem gewährleistet den endgültigen Schutz bis zu dem hundertjährlichen Abfluss von 2.400 Kubikmeter pro Sekunde.
Ermöglicht wird dieses kombinierte Schutzsystem durch die langen Vorwarnzeiten der anlaufenden Hochwasserwellen, so dass genügend Zeit bleibt das mobile Schutzsystem aufzubauen.

Foto der neuen Schutzwand mit Fußgängern Bild vergrössern Die mainseitige modellierte Schutzwand

Der rund 600 m lange Abschnitt der Promenade und der Brückenrampen wurde im Sommer 2003 abgeschlossen. Als Hochwasserschutz wurde eine Stahlbetonwand in variabler Linienführung errichtet. Sie tritt stadtseitig als 90 Zentimeter hohe Brüstung in Erscheinung. Zum Main hin ist die Wand teilweise schräg, zum Teil aber auch senkrecht, so dass sich ihrer Längsabwicklung eine räumlich verwundene Oberfläche ergibt. Sie wurde vollständig mit örtlich vorhandenem Buntsandstein verkleidet.
Auf der festen Schutzwand sind Anschlüsse für ein mobiles System aus Stahl und Aluminium vorgesehen, das bei steigendem Wasserstand im Main bei Bedarf aufgebaut werden kann. Mit einer Höhe von 1,20 Metern (incl. 0,55 Meter Freibord) stellt es dann den angestrebten Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser her.

Der Abschnitt im Bereich der alten Schule ist ca. 200 m lang. Auch hier wurden stadtseitig erhöhte Flächen hergestellt, die durch eine 90 Zentimeter hohe Brüstung zum Main hin begrenzt werden. Die Brüstung ist gleichzeitig Hochwasserschutzwand, auf die das ca. 1,20m hohe mobile Schutzsystem montiert werden kann. Alle Wandbereiche wurden mit Sandstein verkleidet.
Die stadtseitigen Flächen bieten unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten, wie z. B. als Grünanlage, als Terrassencafe oder als Gehwege.
Main aufwärts im Anschluss an den Abschnitt der Promenade wurde auf einer Länge von ca. 350 m der Hochwasserschutz des Bereiches Schwimmbad und Berufschule realisiert. Hier konnte auf ein bewegliches Schutzsystem weitestgehend verzichtet werden. Der Bereich wird erst ab HQ 25 überflutet. Die feste Hochwasserschutzwand im Bereich des Schwimmbades dient gleichzeitig als Sicht- und Lärmschutz.
Durch den ca. 150 m langen Anschluss an Hochwasser freies Gelände im Bereich der Berufschule wird verhindert, dass das Mainhochwasser rückwärtig der Bebauung in den Stadtbereich einströmen kann. Die bereits fertig gestellte Umgehungsstrasse von Bürgstadt kommend wird im Hochwasserfall mit einem Dammbalkensystem abgesperrt.

Querschnittzeichnung Bild vergrössern Querschnitt

Die Gründung der Hochwasserschutzwand erfolgte mit 70 Zentimeter starken Bohrpfählen, die in den rund sieben Meter unter Gelände liegenden Fels einbinden. Die Bohrpfähle liegen in zwei parallelen Reihen nebeneinander. Zur besseren Aufnahme der Druckkräfte sind die stadtseitigen Pfähle schräg angeordnet. Eine Spundwand auf der Wasserseite verhindert, dass bei steigendem Wasserspiegel im Main zuviel Grundwasser in die Stadt fließen kann. In Kombination mit Pumpwerken kann so der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Dies gewährleistet, dass bei Hochwasser die Stadt nicht über das Grundwasser geflutet wird.